Die Situation der Indianer

Derzeit bestehen 22 Indianerreservate. Die vielen verschiedenen Indianergruppen in Lateinamerika leben unter recht unterschiedlichen Bedingungen. Es gibt eine Vielfalt von Sprachen, Denkweisen und Lebensgewohnheiten. Die Indianer haben ihre abgegrenzten Reservate. Diese bieten ihnen Wohn- und Lebensraum. Die meisten dieser Gebiete liegen recht abgelegen. Die Wege sind oft sehr schlecht und die Dörfer nur zu Fuss oder mit dem Pferd erreichbar. Reservate, die nur über Flusswege zugänglich sind, werden bei Hochwasser von der Umwelt abgeschnitten. Die meisten Indianer sind nicht an das allgemeine Trinkwassernetz angeschlossen und haben keine Elektrizität. Die ärztliche Versorgung ist minimal.

Fast alle Indianer sind ganz oder teilweise auf die Landwirtschaft angewiesen. Die Voraussetzungen sind aber oft unzulänglich und recht unterschiedlich. Haben die einen genug und guten Boden zum Bebauen, so stehen die andern ausgewaschenen und kärglichen Böden gegenüber, die nur sehr wenig hergeben. In vielen Gebieten hat die Abholzung stark zugenommen.

In Costa Rica ist der Schulbesuch obligatorisch. Dies gilt auch für Indianerkinder. Sie haben die Möglichkeit, sechs Jahre die Grundschule im Reservat zu besuchen. Doch einige Kinder müssen lange Fusswege zurücklegen oder werden von den Eltern nur zum Teil oder gar nicht zur Schule geschickt. Ein weiteres grosses Problem ist die Sprache. Die Kinder wachsen mit der Mutter auf, die oft keine Schule besucht hat und kein Spanisch spricht. Ist der Lehrer nicht von derselben Volksgruppe oder kein Indianer, verstehen die Kinder am Anfang kaum etwas. So gibt es viele Hürden, um später eine weiterführende Schule besuchen zu können. Nur ganz wenigen jungen Indianern ist dies möglich.

Die Indianer in Lateinamerika werden von den anderen Bevölkerungsgruppen als Menschen zweiter Klasse angesehen. Es besteht wenig Interesse ihnen zu helfen. Zudem hat Mittelamerika grosse politische und wirtschaftliche Probleme, so dass für eine Minderheit, wie die der Indianerstämme, kaum eine Hilfe zur Hebung ihrer Lebensqualität in Sicht ist.